Die DKP Leipzig wird sich auch 2011 an der Maidemonstration in Leipzig und der anschließenden Kundgebung auf dem Aufgustusplatz mit einem Info-Stand beteiligen. Genaue Termine werden noch bekannt gegeben.
Der 01. Mai ist ein wichtiger Kampf-, Feier und Gedenktag der internationalen Arbeiterbewegung. Entstanden ist er 1889 auf dem I. internationalen Arbeiterkongress der II. Internationale.
Seit dem Erscheinen des Kommunistischen Manifests 1848 war die Arbeiterklasse zahlenmäßig gewachsen und beträchtlich organisiert. 1852 hatte sich der erste internationale Zusammenschluss von Kommunisten, der „Bund der Kommunisten“, aufgelöst. Es galt zunächst, die Arbeiterklasse national zu organisieren und in den einzelnen Industriestaaten der Welt Arbeiterparteien aufzubauen. In Deutschland gründete sich am 23. Mai 1863 unter Vorsitz Ferdinand Lassalles der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV). Ihm folgten am 09. August 1869 in Eisenach August Bebel und Wilhelm Liebknecht mit der Bildung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP). Beide Parteien vereinigten sich 22.-27. Mai 1875 in Gotha zur Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP). Ähnliche Entwicklungen vollzogen sich in anderen Staaten, so dass ab den 1880er Jahren der internationale Zusammenschluss aller Arbeiterparteien auf der Tagesordnung stand. Am 14. Juli 1889, genau 100 Jahre nach dem Sturm auf die Bastille und dem Ausbruch der Französischen Revolution, fand deshalb in Paris der I. internationale Sozialistenkongress und Gründungskongress der II. Internationale statt.
Die Delegierten dieses Kongresses beschlossen u.a.:
„Es ist für einen bestimmten Zeitpunkt eine große internationale Manifestation (Kundgebung) zu organisieren, und zwar dergestalt, dass gleichzeitig in allen Ländern und in allen Städten an einem bestimmten Tage die Arbeiter an die öffentlichen Gewalten (Behörden) die Forderung richten, den Arbeitstag auf acht Stunden festzusetzen und die übrigen Beschlüsse des Kongresses von Paris zur Ausführung zu bringen.
In Anbetracht der Tatsache, dass eine solche Kundgebung bereits von dem Amerikanischen Arbeiterbund (Federation of Labor) auf seinem im Dezember 1888 in St. Louis abgehaltenen Kongress für den 01. Mai 1890 beschlossen worden ist, wird dieser Zeitpunkt als Tag der internationalen Kundgebung angenommen.
Die Arbeiter der verschiedenen Nationen haben die Kundgebung in der Art und Weise, wie sie ihnen durch die Verhältnisse des Lands vorschrieben wird, ins Werk zu setzen.“
1894 gab Rosa Luxemburg in ihrem Artikel „Wie entstand die Maifeier?“ darüber Auskunft, wie es auf dem Pariser Kongress zur Idee kam, einen internationalen Kampftag der Arbeiterklasse abzuhalten:
„Der befreiende Gedanke, einen proletarischen Feiertag als Mittel zum Erlangen des achtstündigen Arbeitstages einzuführen, entstand zum ersten mal in Australien. Die dortigen Arbeiter beschlossen schon im Jahre 1856, einen Tag völliger Arbeitsruhe zu veranstalten, verbunden mit Versammlungen und Vergnügungen, als Manifestation zugunsten des achtstündigen Arbeitstages. Für den Tag dieser Feier wurde der 21. April bestimmt. Anfangs dachten die australischen Arbeiter nur an eine einmalige Manifestation im Jahre 1856. Schon diese erste Feier übte jedoch einen so starken Eindruck auf die proletarischen Massen Australiens aus, wirkte so aufmunternd und agitatorisch, dass man beschloss, alljährlich diese Feier zu wiederholen. […] Als erste folgten dem Beispiel der australischen Arbeiter die Amerikaner. Sie setzten im Jahre 1886 als Tag der allgemeinen Arbeitsruhe den 1. Mai fest. An diesem Tag verließen 200.000 von ihnen die Arbeit und forderten den achtstündigen Arbeitstag. Späterhin verhinderten die Regierungsverfolgungen die Arbeiter mehrere Jahre hindurch, diese Manifestation zu wiederholen. Im Jahre 1888 erneuerten sie jedoch ihren Beschluss und bestimmten für die nächste Feier den 1. Mai des Jahres 1890.“
So wurde 1890 der 01. Mai zum ersten Mal als internationaler Kampftag der Arbeiterklasse begangen. Eigentlich war nicht geplant, ihn alljährlich durchzuführen. Aber der Erfolg und die massenhafte Beteiligung legten eine Wiederholung nahe. Und der 01. Mai entwickelte sich zu einem Tag, an dem die Arbeiterklasse aller Länder die Arbeit niederlegte, um in Massendemonstrationen auf den Straßen ihre wirtschaftlichen und politischen Forderungen zum Ausdruck zu bringen.
Seitdem hat der 01. Mai wie die Arbeiterbewegung eine lange und wechselvolle Geschichte durchlebt und einige Maifeiern sind in dauerhafter Erinnerung geblieben, wie z. B. der 01. Mai 1916. An diesem Tag sammelten sich Berliner Arbeiter zur ersten illegalen Maidemonstration seit Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Für die Dauer des Krieges hatte die deutsche Reichsregierung die Maidemonstration unter Duldung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion verboten. Karl Liebknecht, der bereits am 02. Dezember als einziges Mitglied des Reichstages gegen die Verlängerung der Kriegskredite gestimmt hatte, rief die Arbeiter dennoch zur Maidemonstration am Potsdamer Platz in Berlin auf. Sein Ruf „Nieder mit dem Krieg! Nieder mit der Regierung!“ wurde über die Grenzen des deutschen Reiches hinaus gehört. Wegen Hochverrats wurde Karl Liebknecht verhaftet und am 23. August 1916 zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt.
Traurige Berühmtheit erlangte auch der 01. Mai 1929, an dem es in Berlin zu Ausschreitungen der Polizei gegen demonstrierende Arbeiter kam. 10.981 Patronen von Polizisten verschossener Munition und 31 getötete Arbeiter brachten diesem Tag den Titel „Blutmai“ ein.
Der deutsche Faschismus vereinnahmte den 01. Mai im Sinne seiner Ideologie des nationalen Sozialismus zum „Feiertag der nationalen Arbeit.“ Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB) hoffte, durch seine Mitwirkung am 01. Mai 1933 einem Verbot zu entgehen und soziale Forderungen umzusetzen. Die fatale Tragik dieses Irrtums offenbarte sich einen Tag später, als am 02. Mai 1933 der ADGB verboten und seine Gewerkschaftsbüros von SA-Truppen besetzt wurden. 1934 benannte die nationalsozialistische Regierung den „Tag der nationalen Arbeit“ in „Nationaler Tag des deutschen Volkes“ um. Auf diese Weise beseitigte sie jeden Bezug der Maifeier zu den wirtschaftlichen und politischen Interessen der Arbeiterklasse und seinen internationalen Charakter. Auch dieser symbolische Akt offenbarte, dass die NSDAP den Interessen der deutschen Arbeiterklasse stets feindlich gegenüber stand, dass ihr Sozialismus und Nationalismus aus demagogischen Lügen bestanden, die gegen die Nation und gegen das Volk gerichtet waren.
In den sozialistischen Staaten nach 1945, so auch in der DDR, wurde der 01. Mai zu einem staatlichen Feiertag, an dem die Arbeiterklasse in mächtigen Demonstrationen ihrer Kämpfe, ihrer Niederlagen und ihrer Erfolge gedachte. Nicht zu übersehen ist freilich, dass diese Feiern sich mehr und mehr zu obligatorischen Manifestationen wandelten, die sich von ihrem ursprünglichen Inhalt entfernten. Auch im Sozialismus muss die Arbeiterklasse am 01. Mai ihre Forderungen an ihren Staat und ihre Partei richten – und richten können. Auch das ist eine Lehre, die mit der mehr als 100-jährigen Geschichte der Maifeier verbunden ist.
Heute muss sich die Arbeiterklasse an die Ursprünge, an die Tradition, an die Geschichte ihres 01. Mais erinnern. Der 01. Mai ist kein Tag der Osterspaziergänge, des parlamentarischen tete a tete oder anarchistischer Straßenschlachten, sondern der internationale Kampftag der Arbeiterklasse auf der ganzen Welt. Es ist ein Tag, an dem sie die Betriebe, die Fabriken, an dem sie ihre Wohnungen verlässt und ihr Forderungen gemeinsam auf Straßen und Plätze trägt. Heerschau und Kampftag des internationalen Proletariats – das ist der 1. Mai.
August Bebel (sitzend) auf einer Maidemonstration in Dresden 1890
Maidemonstration in Teuchern bei Halle 1907
Karl Liebknecht am 1. Mai 1916 in Berlin (Ausschnitt aus einer Zeichnung von R. Lipus)
"Blutmai" 1929: Das Vorgehen der Berliner Polizei gegen demonstrierende Arbeiter am 01. Mai 1929 kostete 31 Arbeiter das Leben und führte am 03. Mai zum Verbot des Rotfrontkämpferbundes.
Nach dem ""Tag der nationalen Arbeit" besetzt SA am 02. Mai 1933 das Berliner Gewerkschaftshaus.
1. Mai 1946 in Berlin